Mahlzeiten sind in Senioreneinrichtungen zentrale Momente des Tages, die Gemeinschaft, Lebensfreude und Würde fördern können. Doch wie lässt sich eine Essenszeit so gestalten, dass sie diesen hohen Ansprüchen gerecht wird?
Das Evangelische Johanneswerk und apetito catering haben sich mit einer Workshop-Reihe der Verbesserung der Tischkultur gewidmet, und diese passt ideal zum Leitsatz des Johanneswerks: "Wir wollen, dass alle Menschen in Würde, selbstbestimmt in Gemeinschaft leben können."
Tischkultur als Ausdruck von Wertschätzung
Regina Munz und Berrin Ercin von apetito catering haben Multiplikatorinnen aus der Hauswirtschaft sowie Pflege- und Betreuungskräfte in 37 Senioreneinrichtungen des Johanneswerks beraten und geschult. Die Fortbildung wurde auf Wunsch von Johanneswerk-Chef Bodo De Vries initiiert und zielte darauf ab, die Gestaltung der Mahlzeiten in den Einrichtungen auf ein neues Niveau zu heben. Mit Wertschätzung, Atmosphäre und Gemeinschaft.
"Die Mahlzeiten sind für viele Seniorinnen und Senioren der Höhepunkt des Tages", sagt Regina Munz. "Diese Momente sollten von Ruhe in einer angenehmen Atmosphäre geprägt sein." In den ganztägigen Workshops ging es daher nicht nur um praktische Themen wie die Gestaltung des Essplatzes, der Tische und des Speiseraums, sondern auch um die Bedeutung des Umgangs mit den Bewohnerinnen und Bewohnern – ein Umgang, der Empathie und Aufmerksamkeit in den Mittelpunkt stellt.
Das Zusammenspiel von Raum, Zeit und Mensch
Die Details machen den Unterschied: Licht, Tischdekoration, das Anrichten der Speisen, die Wahl des Geschirrs, die Sprache und der Ton der Mitarbeitenden – all diese Aspekte tragen dazu bei, aus einer Mahlzeit ein genussvolles Erlebnis zu machen. Für viele Einrichtungen, in denen der Alltag oft eng getaktet ist, stellt das eine Herausforderung dar. Doch wie die Workshops zeigten, können bereits kleine, gezielte Veränderungen eine große Wirkung entfalten.
"Das Thema Essen ist immer emotional", betont Berrin Ercin. "Wenn ich mich wohlfühle, schmeckt es einfach besser." Ein liebevoll gedeckter Tisch, eine ruhige Atmosphäre und ein würdevoller Umgang während der Essenszeit können den Unterschied zwischen einer funktionalen Nahrungsaufnahme und einem wertschätzenden Gemeinschaftserlebnis ausmachen. Für ältere Menschen, die häufig mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Unterstützungsbedarf leben, sind diese Momente besonders wichtig.
Gemeinschaft und Teamarbeit im Fokus
Durch die Schulung und den interdisziplinären Austausch zwischen Hauswirtschaft, Pflege und Betreuung ist ein gemeinsames Bewusstsein entstanden, das die Bedeutung der Tischkultur nachhaltig in den Mittelpunkt stellt. Denn eine gelungene Mahlzeitengestaltung ist Teamarbeit und erfordert Austausch und Abstimmung.
"Diese Fortbildung ist nicht nur fachlich wertvoll, sondern auch eine Anerkennung für die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", so Berrin Ercin. "Vor allem zeigt sie, was Tischkultur zum Wohlbefinden und für die Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner in Senioreneinrichtungen beiträgt."
Empathie als Schlüssel zu einer gelungenen Mahlzeit
Ein zentraler Aspekt der Workshops war die individuelle Betrachtung der Bewohnerinnen und Bewohner. Besonders ältere Menschen, die häufig mit Einschränkungen und einem erhöhten Unterstützungsbedarf leben, sind auf eine Umgebung angewiesen, die ihnen Geborgenheit und Wohlbefinden vermittelt.
"Es ist entscheidend, die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen ernst zu nehmen und ihnen das Gefühl zu geben, dass sie gesehen und gehört werden", erklärt Regina Munz. Diese wertschätzende Haltung zeigt sich in jedem Detail der Mahlzeitengestaltung – sei es bei der Auswahl und Präsentation der Speisen, der Gestaltung des Essbereichs oder im respektvollen, zwischenmenschlichen Umgang. Das Evangelische Johanneswerk und apetito catering haben mit ihrer Workshop-Reihe deutlich gemacht, wieviel Potenzial in der bewussten Gestaltung von Mahlzeiten steckt.
Tischkultur ist keine Frage großer Veränderungen, sondern wird durch kleine, gezielte Maßnahmen geprägt. Ob durch eine wertschätzende Haltung der Mitarbeitenden oder liebevolle Gesten, die den Alltag bereichern – diese Details verleihen den Mahlzeiten eine besondere Bedeutung und vermitteln den Bewohnerinnen und Bewohnern Würde und das Gefühl von Selbstbestimmung. Ein Konzept mit Vorbildcharakter.